Generell
Eine häufig an mich gestellte Frage ist: „Ich möchte mein Kind auf ADHS testen lassen.“ Hierauf muss ich erwidern: „Eine ADHS lässt sich nicht testen!“
Das sage ich bewusst, obwohl ich auch psychometrische Testverfahren zur Beurteilung der Intelligenz und der Aufmerksamkeit einsetze (s.u.).
Anamnese
Entscheidend ist das ausführliche Interview (Anamnese) mit den Eltern und den Jugendlichen und die Erfahrung des Untersuchers. Es gibt die entscheidenden Informationen, wobei es erforderlich ist, dass beide Elternteile beim Gespräch anwesend sind oder, falls dies nicht möglich, zu unterschiedlichen Zeiten befragt geben. Das Genogramm im Hinblick auf einen selbst betroffenen Elternteil ist ein sehr wichtiger Puzzlestein bei der Diagnosestellung.
Was mir aus psychologischen Gründen sehr wichtig ist: Das betroffene Kind sollte beim ersten Anamnesegespräch nicht anwesend sein.
Ich setze auch verschiedene Fragebögen ein. Sie stellen lediglich eine Ergänzung in der Diagnostik dar, um evtl. Hinweise auf Komorbiditäten wie Angststörungen oder eine Autismusspektrumstörung zu erfassen. Ergebnisse von Fragebögen sind stets kritisch zu bewerten, da z. B. Kinder mit einer AD(H)S im Kindergarten oder in der Schule ihre ADHS-Symptome maskieren können, sodass im Fragebogen der Grenzwert (cut-off-Wert) nicht überschritten und somit das Kind als „unauffällig bzgl. einer Aufmerksamkeitsstörung“ bewertet wird.
Hilfreich sind auch vorgelegte Klassenarbeiten der Kinder und Jugendlichen, in denen die Art von Fehlern erkennbar sind. Auch aus dem Schriftbild lassen sich wichtige Informationen ablesen.
Diagnostik und Therapie
Meine Diagnostik und Therapie orientieren sich an der „S3-Leitlinie “ für ADHS, einer evidenzbasierten medizinischen Leitlinie, die in Deutschland als sogenannter Goldstandard (das beste Referenzverfahren, das aktuell verfügbar ist) bzgl. Diagnostik und Therapie in Deutschland gilt.
Das multimodale Therapiekonzept umfasst:
- Psychoedukation (Aufklärung für Betroffene, bei Kindern in erster Linie die Eltern und ggf. Angehörige)
Im Rahmen der Psychoedukation biete ich ein ADHS-Elterntraining an, wobei eine Sonderpädagogin das Thema „Lernen mit AD(H)S“ referiert. - Medikamentöse Therapie (z. B. Stimulanzien wie Methylphenidat)
- Umfeldmaßnahmen (im Kindergarten, in der Schule, in der Familie), unter diesen Punkt fallen auch ein sogenannter Nachteilsausgleich für Schüler*innen und ggf. der Antrag für eine persönliche Schulassistenz (Schulbegleiter*in, Integrationshelfer*in)
- Verhaltenstherapie (in der Gruppe) durch externe Therapeutinnen und Therapeuten
Langzeitbetreuung
Die Langzeitbetreuung beinhaltet:
- Regelmäßige Verlaufskontrollen
- Anpassung der Therapie
- Berücksichtigung von Komorbiditäten (z. B. Suchterkrankungen, Entwicklung einer Depression)
Testverfahren
Da wissenschaftlich etabliert, setze ich folgende standardisierte neurophysiologische / psychometrische Testverfahren ein:
Aufmerksamkeit:
- TAP (Computer)
- KiTAP (Computer)
- OPATUS CPTa (Smartphone)
Intelligenz:
- Wechsler Intelligence Scale for Children – Fifth Edition (WISC-V)
- CFT 20-R mit WS/ZF-R
- SON-R 2–8 (Snijders-Oomen Non-verbaler Intelligenztest)